Israel, Gaza, Deutschland: Jetzt muss das Schweigen ein Ende haben

Lange habe ich mich nicht zu Wort gemeldet. Lange habe ich auch geschwiegen, zu dem eigentlich unfassbaren, was derzeit in Israel und Gaza passiert, und in Deutschland. Aber spätestens jetzt, wo die Kritik an der israelischen Regierung in offenen Antisemitismus umzuschlagen beginnt. Spätestens jetzt hat es mit uns allen zu tun. Spätestens jetzt dürfen wir nicht mehr schweigen. Denn spätestens jetzt droht die zynische Propaganda von Terroristen aufzugehen.

Israel ist ein wehrhafter Staat. Seine Gründung hat etwas mit Deutschland zu tun. Er ist – nicht nur aber auch – eine Reaktion auf den Holocaust. Er ist eine Zuflucht für alle, die seit 2000 Jahren aufgrund ihrer Religion verfolgt und ermordet wurden. Von Anfang an aber schlug diesem Staat und seinen Bewohnern Hass entgegen. Bis heute wird ihm von einigen seiner Nachbarn die Existenzgrundlage und das Lebensrecht abgesprochen. Israel und die Israelis haben genug Feinde, die nur darauf warten, dass sie vernichtend zuschlagen. Und sie provozieren. Die vielen Raketen, die in letzter Zeit auf Israel abgeschossen werden sind ein Beispiel.

Ich denke mir immer wieder: Wie würde es mir gehen, wenn wieder einmal die Sirenen heulen und Raketen im Anflug sind. Gott sei Dank ist noch nicht viel passiert, eben weil Israel gerüstet ist: Hellwach und technisch gut aufgestellt. Und natürlich würde auch ich nach der Regierung rufen: Tut doch was dagegen. Ich war selbst mehrfach in Israel und habe den Eindruck, dass niemand mehr sich Frieden und Ruhe wünscht, als die Israelis. Freilich gilt das vermutlich auch für die Bevölkerung von Gaza. Lasst mich hier nur eine Frage stellen: Warum werden die Raketen in Schulen und Krankenhäusern gelagert? Warum befinden sich die Abschussrampen in dicht bevölkerten Gebieten? Warum? Ich frage mich immer, wer hat am meisten etwas davon, wenn Bilder von grauenhaft zugerichteten Kindern um die Welt gehen? Israel hat da ganz bestimmt nichts davon. Es nützt nur allen denjenigen, die noch mehr Hass schüren wollen.

Ganz klar: Die Bilder aus Gaza helfen Israel nicht. Sie sind Wasser auf den Mühlen der Propaganda. Aber jetzt muss ich ganz leise sein: Es steht mir nicht zu, darüber zu urteilen, ob die israelische Armee oder die Regierung Netanjahu adäquat in der gegenwärtigen Situation reagiert. Dazu bin ich zu weit weg. Aber ich sehe, dass Israel für seine eigene Bevölkerung handelt. Man ist wohl der Ansicht, dass die jahrelange Diplomatie nur Hinhaltetaktik war, die letztlich den Terroristen nur in die Hände gespielt hatte um aufzurüsten. Das kann ich nachvollziehen und wohl auch etwas verstehen. Man kann diese Sichtweise natürlich auch kritisieren. In demokratischen Ländern wie Deutschland und Israel ist das mehr als legitim. Was aber nicht passieren darf ist, jahrhundertealte antijüdische und antisemitische Stereotype nachzuplappern und neu zu beleben. Aber genau das scheint in manchen Kreisen – vor allem in Deutschland – derzeit zu passieren. Und spätestens jetzt muss mein Schweigen ein Ende haben.

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