Archiv für den Monat: März 2014

Von der Exotik des Versuchs eines Gottesdienstbesuches im Urlaub

Zum wiederholten Mal habe ich nun erleben müssen, dass wir es den Urlaubern nicht besonders leicht machen, am kirchlichen Leben teilzunehmen. Oder ist es etwa gar nicht erwünscht, in der Fremde den Gottesdienst mit zu feiern? Man könnte ja stören!

Doch der Reihe nach:

Ich habe mit der Familie einen Urlaub auf einem Campingplatz an einem wunderschönen Badesee im Chiemgau gebucht. Schon vor der Anreise (an einem Freitag) hatte ich versucht, herauszubekommen, wann wir den Sonntagsgottesdienst mitfeiern können. Die Suche im Internet war aber erfolglos. Entweder die Pfarrgemeinden der Umgebung hatten gar keine Internetseiten, oder auf den Seiten waren keine Angaben über Gottesdienste zu finden. Also habe ich mich ins Auto gesetzt, bin zur Kirche gefahren und wollte dort nachschauen. Aber: Die Kirche war geschlossen, einen Schaukasten gab es nicht. Am Campingplatz befand sich eine Aushangwand mit zahlreichen Veranstaltungshinweisen: Vom Yogakurs über Vorträge zur gesunden Ernährung oder Ausflügen in die Umgebung war alles geboten. Aber: Kein Hinweis auf die örtliche Pfarrgemeinde, kein Hinweis auf Gottesdienstzeiten, nicht einmal die Telefonnummer des Pfarramtes, bei dem man sich erkundigen könnte. Am Tag darauf, dem Samstag hatte ich dann Erfolg. Die Kirche war offen, ich konnte eine gedruckte Gottesdienstordnung finden und der Gottesdienstbesuch am Sonntag war gesichert. Übrigens ein sehr lebendiger und gut gestalteter Gottesdienst. Warum ist es so schwer, herauszubekommen, wann hier die Messe gefeiert wird? Wäre es zuviel verlangt, an den schwarzen Brettern der Beherbergungsbetriebe einen Dauer-Zettel aufzuhängen, mit den regulären Gottesdienstzeiten. Auch ein Rundfax oder eine Rundmail mit der aktuellen Gottesdienstordnung wäre doch sicher machbar, oder? Vom Internet will ich gar nicht träumen.

Szenenwechsel, nächster Urlaub. Bodenseeregion.

Wieder das gleiche Spiel. Kein Aushang, keine Information über kirchliche Angebote am Campingplatz. Aber: Immerhin konnte ich auf der Internetseite des Pfarrverbandes eine Gottesdienstordnung finden. Der Download der PDF-Datei (vermutlich eine eingescannte Graphik) dauerte zwar über die schlechte Handyverbindung ewig und war auch nicht wirklich gut zu lesen, aber immerhin. In der Gottesdienstordnung konnte ich dann alle Veranstaltung in den drei Pfarreien der Seelsorgeregion für die nächsten sechs Wochen finden. Auch stand immer der Name der Kirche dabei. Aber nie eine Adresse. Mir blieb nichts anderes übrig, als im Pfarramt anzurufen: „Entschuldigen Sie, wo ist denn Ihre Pfarrkirche, ich will am Sonntag zum Gottesdienst kommen!“ Eine offensichtlich schwerhörige ältere Frau (Haushälterin?) hat meine Frage nicht kapiert. Ich soll später noch mal anrufen. Eine Stunde später konnte mir der Pfarrer dann den Straßennamen sagen. Das Navi hat dann den modernen Kirchbau in einem Vorort gefunden. Wir waren schließlich in einem Gottesdienst die exotischen Gäste. Von allen beäugt. Die Augen sagten: Wer sind denn diese Fremden da, was wollen die da? Es war eine nicht sehr angenehme Atmosphäre.

Nächster Szenenwechsel: Skiurlaub in Österreich

Das übliche Szenario: Skikurse beginnen Sonntags um 10.00 Uhr, wann ist Gottesdienstzeit? Ach ja: Gleichzeitig. Ja gut, es gibt eine Vorabendmesse: Samstag, 18.00 Uhr. Und wann ist Abendessenszeit im Hotel? Regulär von 18.00 bis 19.00 Uhr. Mit viel Organisationstalent und mit Nachfrage lässt sich zwar so etwas Exotisches wie ein Gottesdienstbesuch organisieren. Aber: Leicht wird es einem nicht gemacht.

Fazit: Gottesdienstbesuch im Urlaub ist mit Aufwand und Hartnäckigkeit verbunden. Es würde leichter gehen, wenn die Pfarrgemeinden – vor allem in Urlaubsgebieten – die kleinsten Selbstverständlichkeiten der Information beachten würden. Aber: Ist denn der Gottesdienstbesuch von Touristen überhaupt gewollt?